Benny Bothe

»Gott gab jedem Mann zwei Fingerbreit Ehre auf die Blume der Stirn. Sieh zu, dass das bei dir so bleibt.«

Paul Anker ist als Beobachter auf EU-Mission in Albanien unterwegs und wird auf einer Fahrt durch die verschneiten Berge in einen Unfall verwickelt, bei dem ein Kind stirbt. Mit einem »Blutgeld« als Entschädigungszahlung lässt sich der Fall nicht schlichten, das Familienoberhaupt ruft nach dem Kanun, dem archaischen »Gesetz der Berge«, zur Blutrache auf. Bald darauf wird ein Mitglied des Teams im Hotel erschossen und Paul flüchtet vor dem Vollstrecker in seine Heimat, das vermeintlich sichere Ostfriesland. Doch wohin er sich auch wendet, in keinem Winkel der Welt gibt es fortan Sicherheit für ihn und seine Familie, bis diese schwere Schuld bezahlt ist. Dafür wird der Albaner Rrushdi Sorge tragen, und zwar um jeden Preis.

 

Benny Bothe lebt in Aurich, wo er als Berufsoffizier der Luftwaffe eingesetzt war. In den 1970er Jahren war er für zwei Jahre in Visselhövede stationiert. Nach seiner Pensionierung arbeitete er als Monitor im Dienst des Auswärtigen Amtes auf dem Balkan, wobei er sich immer dicht am Krieg bewegte. Unbewaffnet und in weißer Uniform beobachtete er den schwierigen Weg der ehemaligen Gegner in die Demokratie. Der Auftrag führte ihn seit 1995 über Bosnien-Herzegowina, Albanien und Makedonien in das Kosovo und nach Serbien. Sein aktueller Krimi entwickelt sich im Spannungsfeld zwischen archaischer Tradition und dem Selbstverständnis demokratischer Strukturen. In Albanien und dem Kosovo lernte er den Kanun kennen. Das albanische Gewohnheitsrecht fasziniert ihn bis heute. Seine Erfahrungen schildert er auch in seinem Buch Dicht am Krieg.

Benny Bothe wird eingangs etwas über den Kanun vortragen und anschließend aus seinem Buch lesen. Zeit für Gespräche und Diskussionen ist eingeplant..

Das zentrale Thema des Krimis dreht sich um den Kanun, das Gewohnheitsrecht Albaniens. Es stand immer in Konkurrenz zum staatlichen Gesetz, und das seit Hunderten von Jahren, wobei Ehre und die Blutrache die beherrschenden Elemente dieses Kodex sind. Noch immer ist das in Albanien und dem Kosovo der Fall. Bothe sagt: „Ich habe ca. 5 Jahre als Monitor mit diplomatischem Status den Krieg auf dem Balkan beobachtet, wobei ich auch in der Mediation tätig war. Seitdem ist mir der Kanun bekannt, und ich wollte über das Medium Krimi dieses bedrückende Genre an die Menschen herantragen. Schließlich sollten wir die Bürger mit albanischem Hintergrund in Deutschland verstehen lernen. Warum ein Krimi als Medium? Krimis werden nun einmal mehr gelesen als Sachbücher. Mein erstes Buch, Dicht am Krieg, ist ein Sachbuch, wobei ich meine Erlebnisse und die Situation auf dem Balkan schilderte. Damit spricht man nur einen sehr begrenzten Leserkreis an.”