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Neil Jordan: Breakfast on Pluto


Irland, Großbritannien 2005, Länge 129 Min., FSK ab 12

"Breakfast on Pluto" erzählt von der naiv schmachtenden Suche nach Liebe und Geborgenheit des jungen irischen Transvestiten Patrick "Kitten" Braden, der es im London der 70er Jahre zu einiger Berühmtheit auf dem Straßenstrich rund um den Piccadilly Circus bringt.

1958 wird Patrick in Tyreelin, nahe der Grenze zu Nordirland, geboren. Aus der Ferne betrachtet, wirkt das verschlafene Nest wie ein Postkartenidyll, doch dieser Eindruck täuscht. Patrick ist ein Findelkind - das Resultat eines "Fehltritts" des Dorfgeistlichen.

Patrick wächst bei einer Pflegemutter auf - der boshaften, trinkfesten Chefin des örtlichen Pubs. Schon mit zehn Jahren hat Patrick eine Vorliebe für die Kleider und Lippenstifte seiner Stiefschwester. In seinen Teenager-Jahren, als Glam-Rocker mit beträchtlichem Mascara-Verbrauch, legt Patrick sich immer wieder mit den dörflichen Autoritäten an - bis er schließlich auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter das bigotte Irland verlässt und nach London geht. Doch "Kitten" findet sich nur schwer in dem grausam-grotesken Leben der Metropole zurecht. Auch die Suche nach seiner Mutter gestaltet sich zu einer wahren Odyssee, bei der er den skurrilsten Menschen begegnet, beinahe umgebracht wird - und schließlich an dem einzigen Ort landet, von dem er glaubte, ihn für immer hinter sich gelassen zu haben: seine Heimatstadt...


Neben seiner Arbeit als Regisseur amerikanischer Produktionen wie "Interview mit einem Vampir" (1994) tritt Neil Jordan immer wieder als Chronist irischer Geschichte in Erscheinung. Dies kann entweder die Gesamtkonzeption des Films betreffen wie bei "Michael Collins" (1996) oder auch nur den Hintergrund einer Geschichte, wie es bei seinem neuen Film der Fall ist. Breakfast on Pluto basiert wie schon "Der Schlächterbursche" (1997) auf einer literarischen Vorlage von Patrick McCabe.

Der Synthese aus psychedelischer Traumwelt und harter Realität fügt Jordan ein verschwenderisch ausgestattetes Porträt der siebziger Jahre hinzu. Neben den extravaganten Kostümen und einem Gastauftritt von Roxy Music-Frontmann Bryan Ferry spielt auch der Soundtrack eine wichtige Rolle. Dabei reicht die Musikauswahl von Evergreens aus den sechziger Jahren bis zu Glam-Rock-Hits.

Der ganze Film lebt durch die Person von "Kitten", und damit dank der genialen Verwandlungsfähigkeit von Cillian Murphy. Nach seiner Rolle als Dr. Crane in "Batman Begins" und subtiler Bösewicht in "Red Eye" kann er in "Breakfast" richtig aufleben. Er macht dies so perfekt, dass man schon fast denken könnte, dass er auch privat geschminkt und in Frauenkleidern rumläuft...

Abgerundet mit guten Nebendarstellern (unter anderen Liam Neeson als Pfarrer) und einem swingin' Soundtrack macht Regisseur Neil Jordan Breakfast on Pluto zu einem tollen Erlebnis der etwas anderen Art.