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Samstag, 21.01.2006

Lassie-hol-Hilfe!

Impro-Theater


Minimalistisch: Lassie (als Gipsfigur), drei Stühle, viele Rosen und nasse Schwämme, Licht, drei Darsteller und ein Pianist – mehr nicht. „Lassie hol Hilfe!“ war zu Gast und der Saal bebte. Wie erwartet.

Es gibt beim Improvisationstheater keine vorher einstudierten „Stücke“. Der Ablauf der Handlung wird vom Publikum bestimmt. Auf spontane Stichworte der Zuschauer hin wird ein möglichst ungewöhnliches Thema festgelegt, einige kleine Erschwernisse bürden sich die Akteure zusätzlich auf und nach gemeinsamem herunterzählen „5-4-3-2-1-los!“ legen sie los. Konzentration auf die Vorgabe, sprudelnde Phantasie, Witz und Aberwitz, alles gepaart mit großer darstellerischer Kunst und dem immer spürbaren Spaß an der Sache – „Lassie hol Hilfe!“ vereint diese Vielfalt und brachte spektakuläres Improvisationstheater auf die Bühne des Heimathauses.

Die „Aufgaben“ für die wandlungsfähigen Gehirn-Akrobaten (Nicole Pätzel, Rina Hippen, Felix Quadflieg) im Einzelnen, allerdings ohne irgendeinen Anspruch auf Vollständigkeit: Szenen wurden mittendrin auf Zuruf wechselnd im Stil von Oper, Western oder Krimi dargestellt. Schauspieler mussten eine ihnen nicht bekannte Tatsache darstellen und dabei erraten. „Sprechen“ und „Handeln" wurde vertauscht – jeder der „Lassies“ sprach den Text eines anderen, der dazu die entsprechenden Bewegungen beisteuerte. Aus zwei Darstellern wurde einer – der eine agierte nur mit Mimik, die Handbewegungen steuerte ein anderer bei. Mitten in der Bewegung und mitten im Satz wurde einer der Darsteller „abgeklatscht“, ein anderer übernahm die Bewegung – aber nicht die Rolle. Willkürlich ausgewählte Dialog-Schnipsel wurden als Thema für ein vorzutragendes Lied ausgewählt ... Und alles von Martin Tansek einfühlsam mit stimmigen Tönen des Flügels unterlegt.

Die hohe Kunst und Konzentration der Schauspieler wurde deutlich, als der schlichte Versprecher „... neid vor Blass ...“ (es sollte natürlich „blass vor Neid“ heißen) von der Ver-Sprecherin nicht nur bemerkt, sondern spontan in die Rolle eingeflochten wurde. Auch die Kollegen auf der Bühne hatten’s registriert und übernahmen die sinnfreie „Vorlage“ sofort.

Zuschauer wurden ebenfalls eingebunden. Ohne Worte, nur per Quietsche-Ente und Glöckchen sollte ein Gast die Künstler zur möglichst originalgetreuen Darstellung seines ersten Kusses („Es war mit 14 in der Tanzschule ...“) steuern. Ein großer Heiterkeitserfolg bei allen Beteiligten. Er wurde beinahe noch übertroffen, als anschließend der Frau des Gastes gezeigt wurde, was sie nun wohl des Nachts träumen würde.

Getoppt wurde das alles vom schrägen Schlager Döner macht schöner, dem Ohrwurm des Abends ...

Das Zwerchfell des mitgehenden Publikums wurde hochgradig belastet und viele Lachtränen flossen. Mit den vorab von den Künstlern verteilten Rosen, die einfach auf die Bühne geworfen werden sollten, konnte das Publikum Dank und Begeisterung ausdrücken. Die ebenfalls verteilten nassen Schwämme sollten Buhrufe ersparen. Beinahe überflüssig zu sagen, dass schon am Ende des ersten Teiles alle Rosen auf der Bühne lagen und nur wenige Schwämme – und dass sich das im zweiten Teil genau so wiederholte, denn die Wurf-Waren wurden neu ausgeteilt. Das phantasievolle Publikum warf die Schwämme als improvisierte Rosen.

Wieder einmal: Ein außergewöhnlicher Theaterabend im Visselhöveder Heimathaus.


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